Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kämpften rund um Leipzig mehr als eine halbe Million Soldaten gegeneinander. Auf der einen Seite stand der französische Kaiser Napoleon mit seinen Verbündeten. Auf der anderen Seite standen Russland, Preußen, Österreich und Schweden. Bis zum Ersten Weltkrieg galt sie als die größte Schlacht der Geschichte. Napoleon verlor sie. Damit begann das Ende seiner Herrschaft über Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- Wann: 16. bis 19. Oktober 1813
- Wo: rund um Leipzig in Sachsen
- Wer: Napoleon und seine Verbündeten gegen Russland, Preußen, Österreich und Schweden
- Wie viele: mehr als 500.000 Soldaten
- Opfer: mehr als 90.000 Tote und Verwundete
- Ergebnis: Sieg der Verbündeten, Napoleon zieht sich nach Frankreich zurück
Wie kam es zur Völkerschlacht?
Um 1810 beherrschte Napoleon große Teile Europas. Viele deutsche Staaten, darunter Bayern, Württemberg und Sachsen, gehörten zu seinem Rheinbund und mussten Soldaten für ihn stellen. Preußen hatte 1806 die Schlachten bei Jena und Auerstedt verloren und im Frieden von Tilsit 1807 etwa die Hälfte seines Landes abgeben müssen.
Die Wende kam 1812. Napoleon zog mit einem riesigen Heer nach Russland. Noch im Herbst musste er sich zurückziehen, im Winter starben die meisten seiner Soldaten, und nur ein kleiner Teil kam zurück. Ende 1812 vereinbarte der preußische General Yorck mit den Russen, nicht mehr gegeneinander zu kämpfen. Im März 1813 erklärte Preußen Frankreich den Krieg. König Friedrich Wilhelm III. rief mit seinem Aufruf „An Mein Volk“ zum Kampf auf. Tausende meldeten sich freiwillig, viele spendeten Schmuck und Geld. Wer Goldschmuck abgab, zum Beispiel seinen Ehering, bekam dafür Schmuck aus Eisen, etwa einen Ring mit der Inschrift „Gold gab ich für Eisen“.

Im Frühjahr 1813 gewann Napoleon noch einmal mehrere Schlachten. Nach einem Waffenstillstand im Sommer trat jedoch Österreich auf die Seite seiner Gegner. Im Herbst zogen die Heere der Verbündeten von mehreren Seiten auf Leipzig zu, wo Napoleon seine Truppen gesammelt hatte. Kurz vorher, am 8. Oktober 1813, hatte auch Bayern die Seiten gewechselt.
Die vier Tage der Schlacht
16. Oktober: Die Schlacht begann im Süden von Leipzig bei Wachau und Liebertwolkwitz. Dort konnte keine Seite gewinnen. Im Norden siegten preußische Truppen unter General Yorck bei Möckern.
17. Oktober: Es war ein Sonntag, und es wurde kaum gekämpft. Bei den Verbündeten trafen weitere Truppen ein. Napoleon dagegen bekam kaum Verstärkung.
18. Oktober: Am entscheidenden Tag griffen die Verbündeten in mehreren Kolonnen von Süden, Osten und Norden an. Am Abend ließ Napoleon seine Truppen dicht an die Stadt zurücknehmen. Mitten in der Schlacht wechselten Teile der sächsischen Truppen die Seite.
19. Oktober: Napoleons Armee zog sich durch Leipzig nach Westen zurück, die Verbündeten stürmten die Stadt. Die Brücke über die Elster wurde zu früh gesprengt. Tausende französische Soldaten saßen in der Stadt fest. Viele ertranken bei der Flucht durch den Fluss, darunter Marschall Józef Poniatowski. Napoleon selbst entkam.
Warum heißt sie Völkerschlacht?
In der Schlacht kämpften Soldaten aus vielen Völkern: Franzosen, Polen, Italiener und Soldaten aus den Rheinbund-Staaten auf Napoleons Seite, Russen, Preußen, Österreicher und Schweden auf der Seite der Verbündeten. Deutsche kämpften also auf beiden Seiten. Das Wort „Völkerschlacht“ kam schon wenige Tage nach der Schlacht in Zeitungen auf. Durchgesetzt hat sich der Name aber erst um 1913, als das Denkmal gebaut wurde.
Was danach geschah
Nach der Niederlage zog sich Napoleon nach Frankreich zurück, und der Rheinbund zerfiel. Anfang 1814 marschierten die Verbündeten in Frankreich ein und eroberten im März Paris. Napoleon musste abdanken und wurde auf die Insel Elba verbannt. Auf dem Wiener Kongress, der von September 1814 bis Juni 1815 tagte, ordneten die Siegermächte Europa neu. 1815 kehrte Napoleon noch einmal zurück, wurde aber bei Waterloo endgültig geschlagen.
Die Befreiungskriege weckten bei vielen den Wunsch nach einem gemeinsamen deutschen Staat. Auch die Farben Schwarz, Rot und Gold werden oft auf diese Zeit zurückgeführt: Das Lützowsche Freikorps trug schwarze Uniformen mit roten Vorstößen und goldfarbenen Knöpfen, und ehemalige Lützower gründeten 1815 die Jenaer Urburschenschaft, die eine schwarz-rote Fahne mit goldener Verzierung führte. Ganz sicher belegt ist der Ursprung der Farben aber nicht.
Wie Leipzig heute daran erinnert
Am 18. Oktober 1913, 100 Jahre nach dem entscheidenden Schlachttag, wurde das Völkerschlachtdenkmal eingeweiht. Es ist 91 Meter hoch und eines der größten Denkmäler Europas. Jedes Jahr im Oktober stellen Darsteller in historischen Uniformen Szenen der Schlacht nach.
Kurz für Kinder erklärt
Vor über 200 Jahren herrschte der französische Kaiser Napoleon über große Teile Europas. Viele Länder wollten sich von ihm befreien. Im Oktober 1813 trafen ihre Heere bei Leipzig auf Napoleons Armee. Vier Tage dauerte die Schlacht, dann musste Napoleon sich zurückziehen. Weil Soldaten aus so vielen Völkern dabei waren, heißt sie Völkerschlacht. Heute erinnert ein riesiges Denkmal in Leipzig daran.
Die Völkerschlacht im Comic
Unser Comic „1813 – Eine Nation erwacht“ erzählt diese Zeit aus der Sicht des jungen Friedrich Hellmann. Auf 32 Seiten erlebt er die Befreiungskriege und die Zeit der Völkerschlacht. Ein Erklärteil am Ende ordnet die Ereignisse ein.